Das menschliche Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System ist ein Teil des Nervensystems und umfasst die Cannabinoid-Rezeptoren. Cannabinoide aktivieren sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren. Bekannte Rezeptoren sind:

Der Cannabinoid-Rezeptor 1 (oder kurz: CB1) findet sich vorwiegend in Nervenzellen. Am häufigsten kommt er im Kleinhirn, in den Basalganglien sowie im Hippocampus vor. Aber auch im peripheren Nervensystem (z. B. im Darm) ist er zu finden.
Der Cannabinoid-Rezeptor 2 (oder kurz: CB2) findet sich dagegen vorwiegend auf Zellen des Immunsystems und auf Zellen, die am Knochenauf- und -abbau beteiligt sind.
Weiters nimmt man an, dass die G-Protein-gekoppelten Rezeptoren GPR18GPR119 und GPR55 auch Cannabinoid-Rezeptoren im Endocannabinoid-System sind.

Ethan Russo: Klinischer Endocannabinoid-Mangel

Eine wissenschaftliche Studie von Ethan Russo  kommt zu dem Schluss, dass es eine Verbindung zwischen einem Endocannabinoid-Defizit und der Entwicklung von Erkrankungen wie Migräne, Fibromyalgie und dem Reizdarmsyndrom gibt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cannabis hier ein therapeutisches Potenzial besitzt.

Das Endocannabinoid-System, bestehend aus Rezeptoren, Enzymen und Endocannabinoiden, ist verantwortlich dafür, verschiedenste Körperfunktionen zu regulieren, einschließlich der Funktionen des Immunsystems, der körperlich-psychischen Gesamtverfassung und des Schlafs. Die Endocannabinoide, die durch den menschlichen Körper produziert werden, reagieren mit diesen Rezeptoren, um das Gleichgewicht der Körperfunktionen aufrechtzuerhalten.

In der von Ethan B. Russo durchgeführten Studie zeigt sich, dass die Entwicklung mehrerer Schmerzsyndrome mit einem Mangel des Endocannabinoid-Systems verbunden ist und dass Cannabis bei der Behandlung dieser Schmerzsyndrome wirksam sein kann. Wenn der Körper nicht genügend Endocannabinoide erzeugen kann, schafft er ein Umfeld, in dem sich pathophysiologische Syndrome eher entwickeln können. Wenn die Endocannabinoid-Funktion im Körper abnimmt, sinkt gleichzeitig die Schmerzschwelle, wodurch Stimmungsschwankungen, Schlaf- und Verdauungsprobleme entstehen können. Dieser Endocannabinoid-Mangel kann auf genetische Ursachen zurückzuführen sein oder nach einer Verletzung, einem Trauma oder einer Krankheit entstehen.

Cannabis kann Cannabinoid-Mangel reduzieren

Aus dem Vorhandensein des klinischen Endocannabinoid-Mangels kann geschlossen werden, dass Cannabis die Fähigkeit besitzt, diese Mangel-assoziierten Krankheitsbilder zu lindern. Cannabis ist von Natur aus reich an Cannabinoiden. Wie die Endocannabinoide, die im Körper produziert werden, interagieren auch diese Cannabinoide, beispielsweise Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC), mit den CB-1- und CB-2-Rezeptoren.

Russo E, Br J Pharmacol. 2011 Aug; 163(7): 1344–1364.
Russo E, Front Plant Sci. 2018; 9: 1969.
Console-Bram et al, Progress in Neuro-Psychopharmacology & Biological Psychiatry. Band 38, Nummer 1, Juli 2012, S. 4–15,



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