Cannabinoide
Cannabinoide sind Verbindungen, die mit dem Endocannabinoidsystem interagieren und vielfältige physiologische Prozesse regulieren.
Was sind Cannabinoide?
Cannabinoide sind Verbindungen, die mit dem Endocannabinoidsystem interagieren und vielfältige physiologische Prozesse regulieren. Man unterscheidet pflanzliche Phytocannabinoide, körpereigene Endocannabinoide wie Anandamid und 2-AG sowie synthetische Cannabinoide. Die Hanfpflanze enthält über 150 identifizierte Phytocannabinoide, THC und CBD sind die bekanntesten und am besten erforschten. Im Zusammenspiel mit weiteren Pflanzenstoffen entsteht der Entourage-Effekt.
Wirkstoff
Cannabinoide
Cannabinoide sind Transformationsprodukte und synthetische Analoga bestimmter Terpenphenole, die hauptsächlich, aber nicht wie früher angenommen ausschließlich, in der Hanfpflanze (Cannabis) vorkommen.
Neuere Forschungen haben gezeigt, dass auch andere Organismen Verbindungen enthalten, die mit dem Endocannabinoid-System interagieren: etwa Alkylamide im Sonnenhut (Echinacea), die an CB2-Rezeptoren binden, oder das Endocannabinoid Anandamid und verwandte N-Acylethanolamine in Kakao und im schwarzen Trüffel. Dabei handelt es sich nicht um Phytocannabinoide wie THC oder CBD, sondern um cannabinoidähnliche Verbindungen bzw. Endocannabinoide. Echte Phytocannabinoide außerhalb der Hanfpflanze sind selten; nachgewiesen wurden sie etwa in der südafrikanischen Strohblume Helichrysum umbraculigerum (CBG) und in Lebermoosen der Gattung Radula (Perrottetinen). Die intensive Erforschung dieser Verbindungen führte zur bahnbrechenden Entdeckung des Endocannabinoid-Systems, eines der wichtigsten regulatorischen Systeme im menschlichen Körper.
Die in Cannabis enthaltenen Phytocannabinoide zeigen ein breites Spektrum teilweise gegensätzlicher Wirkungen: Einige fungieren als Agonisten der Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2, während andere entweder keine Affinität aufweisen oder sogar als Antagonisten wirken. Diese unterschiedlichen Wirkmechanismen erklären die vielfältigen therapeutischen Potenziale von Cannabinoiden.
Aktuelle Forschungen konzentrieren sich auf die therapeutischen Anwendungen von Cannabinoiden bei verschiedenen Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, Epilepsie, Multipler Sklerose und neurodegenerativen Erkrankungen. Dabei steht besonders die selektive Modulierung des Endocannabinoid-Systems im Fokus, um spezifische therapeutische Effekte zu erzielen und unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren.
Phytocannabinoide
Endocannabinoide
Synthetische Cannabinoide
Natürlich
Phytocannabinoide
Pflanzliche Cannabinoide werden als Phytocannabinoide klassifiziert. Die Hanfpflanze enthält mittlerweile über 150 identifizierte Phytocannabinoide, wobei Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) die bekanntesten und am besten erforschten sind. Die Konzentration und Zusammensetzung der Cannabinoide in Cannabis variiert erheblich in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren wie der genetischen Sorte, den Anbau- und Lagerbedingungen sowie der geographischen Herkunft.
interaktiv
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Details
Körpereigen
Endocannabinoide
Körpereigene Substanzen mit ähnlichen pharmakologischen Eigenschaften werden als Endocannabinoide bezeichnet. Zu den bekanntesten zählen Anandamid und 2-Arachidonoylglycerin (2-AG). Das Endocannabinoid-System ist im Tierreich weit verbreitet: Es wurde bei allen Wirbeltieren und bei vielen wirbellosen Tieren nachgewiesen, Insekten besitzen dagegen keine klassischen Cannabinoid-Rezeptoren. Bemerkenswert ist, dass Mütter ihren Neugeborenen durch die Muttermilch Cannabinoide übertragen, was auf deren fundamentale Bedeutung für die frühe Entwicklung hinweist.
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„Entourage“-Effekt
Seit unserer Gründung setzen wir uns für eine größere therapeutische Auswahl ein. Dazu gehört neben Cannabinoid-Arzneimitteln auch der Zugang zu medizinischen Cannabisblüten und weiteren pflanzlichen Cannabisextrakten.
Wie eine umfassende wissenschaftliche Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift „Frontiers in Plant Science“ herausarbeitet, sprechen neuere wissenschaftliche Erkenntnisse dafür, dass Cannabis-Blüten mit ihrem Gemisch aus unzähligen Wirkstoffen (Cannabinoide, Terpene, Flavonoide etc.) im therapeutischen Sinn Vorteile gegenüber isolierten Einzelwirkstoffen bieten können.
Den Begriff „Entourage-Effekt“ prägten die Cannabisforscher Dr. Shimon Ben-Shabat und Prof. Raphael Mechoulam mit Kolleg:innen im Jahr 1998, ursprünglich für das Zusammenspiel körpereigener Endocannabinoide mit verwandten, für sich allein unwirksamen Begleitstoffen. Heute wird er vor allem auf Cannabis übertragen: Bei der Einnahme von Cannabis-Blüten oder Cannabis-Vollauszügen gelangen nicht nur die bekannten Wirkstoffe CBD und THC, sondern auch zahlreiche weitere Inhaltsstoffe mit möglicher therapeutischer oder therapieunterstützender Wirkung in den Körper. Kranke können so von einem „Entourage“-Effekt profitieren, was bei reinem, in Sesam- oder Hanfnuss-Öl gelöstem THC oder CBD nicht der Fall ist.
Diese mögliche synergistische Wirkung der Pflanzeninhaltsstoffe, die sich gegenseitig verstärken und ergänzen könnten, wird in der Fachliteratur intensiv diskutiert; die Studienlage am Menschen ist allerdings noch uneinheitlich und Gegenstand laufender Forschung. Der ganzheitliche Ansatz der Cannabistherapie berücksichtigt diese komplexen Wechselwirkungen und bietet damit potenziell bessere therapeutische Ergebnisse.
Was unterscheidet THC und CBD von körpereigenen Cannabinoiden?
THC und CBD stammen aus der Cannabispflanze, körpereigene Cannabinoide stellt der Körper dagegen selbst her. Diese sogenannten Endocannabinoide, vor allem Anandamid und 2-Arachidonoylglycerin (2-AG), werden bei Bedarf gebildet und rasch wieder abgebaut. Pflanzliche Cannabinoide (Phytocannabinoide) und Endocannabinoide können beide mit dem Endocannabinoidsystem interagieren, tun das aber auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlicher Stärke. Daneben gibt es synthetisch hergestellte Cannabinoide.
Was ist der Unterschied zwischen CBDA und CBD?
CBDA (Cannabidiolsäure) ist die Säureform von CBD und kommt in der frischen, unerhitzten Cannabispflanze vor. Beim Erhitzen, etwa beim Vaporisieren, Backen oder bei der Herstellung von Extrakten, spaltet sich ein Kohlendioxid-Molekül ab. Diese Decarboxylierung wandelt CBDA in CBD um. Es handelt sich damit um zwei unterschiedliche Verbindungen, deren Eigenschaften gesondert untersucht werden. Zu CBDA gibt es bisher vor allem präklinische Daten, etwa zu Übelkeit in Tiermodellen; aussagekräftige Studien am Menschen fehlen noch.
Was ist mit dem Entourage-Effekt gemeint?
Der Entourage-Effekt beschreibt die Annahme, dass verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe wie Cannabinoide, Terpene und Flavonoide zusammenwirken und sich in ihrer Wirkung ergänzen oder verstärken können. Der Begriff stammt von Shimon Ben-Shabat und Raphael Mechoulam (1998), die ihn ursprünglich für körpereigene Substanzen beschrieben. Vollauszüge und Blüten enthalten viele solcher Stoffe, ein isolierter Wirkstoff dagegen nur einen. Ob und in welchem Ausmaß diese Stoffvielfalt therapeutisch einen Unterschied macht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Was ist THC und wie wirkt es im Körper?
THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) ist das wichtigste berauschende Cannabinoid der Hanfpflanze. Es aktiviert vor allem CB1-Rezeptoren im Gehirn und Nervensystem und beeinflusst so unter anderem Schmerzempfinden, Appetit, Übelkeit und Muskelspannung. Medizinisch ist THC am besten bei chronischen Schmerzen, Spastik bei Multipler Sklerose sowie Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie untersucht. Typische Nebenwirkungen sind Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit und Konzentrationsstörungen. Ob eine Behandlung mit THC sinnvoll ist und in welcher Dosis, entscheiden Ärzt:innen im Einzelfall.
Macht CBD high oder ist es psychoaktiv?
Nein, CBD (Cannabidiol) verursacht keinen Rausch wie THC. Es aktiviert die CB1-Rezeptoren kaum und wirkt über verschiedene andere Zielstrukturen im Körper. Im weiteren Sinn kann CBD dennoch auf das zentrale Nervensystem wirken, etwa in hohen Dosen müde machen. Die Weltgesundheitsorganisation sah 2017 kein relevantes Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial. Gut belegt ist die Wirkung von hoch dosiertem CBD bei bestimmten seltenen Epilepsieformen. Für viele andere beworbene Anwendungen ist die Studienlage noch dünn.
Was ist CBG und warum heißt es Mutter-Cannabinoid?
CBG (Cannabigerol) ist ein nicht berauschendes Cannabinoid, dessen Säureform CBGA als Ausgangsstoff für viele andere Cannabinoide dient. In der Pflanze wandeln Enzyme CBGA in THCA, CBDA oder CBCA um, daher der Beiname „Mutter-Cannabinoid“. In reifen Blüten ist CBG meist nur in geringen Mengen enthalten. Laborstudien und Tierversuche deuten auf entzündungshemmende, antibakterielle und neuroprotektive Eigenschaften hin. Studien am Menschen gibt es bisher kaum, eine therapeutische Wirkung ist daher nicht belegt.
Hilft CBN beim Schlafen?
Das ist bisher nicht ausreichend belegt. CBN (Cannabinol) entsteht, wenn THC durch Licht, Luft und Lagerung abgebaut wird, und gilt deshalb oft als Grund für die müde machende Wirkung von altem Cannabis. Frühe Studien zeigten jedoch, dass Schläfrigkeit vor allem bei Kombination mit THC auftrat. Eine Übersichtsarbeit aus 2021 fand keine ausreichenden Belege für schlaffördernde Aussagen. Eine kleine randomisierte Studie aus 2023 berichtete weniger nächtliches Aufwachen, aber keinen schnelleren Schlafbeginn. Weitere Studien sind nötig.
Wirkt rohes Cannabis berauschend?
Rohes, unerhitztes Cannabis wirkt kaum berauschend, weil es THC überwiegend als THCA (Tetrahydrocannabinolsäure) enthält. THCA bindet nur schwach an den CB1-Rezeptor und gilt daher als nicht berauschend. Erst durch Hitze, etwa beim Vaporisieren, Rauchen oder Backen, wird THCA durch Decarboxylierung zu THC umgewandelt. Auch bei längerer Lagerung kann ein kleiner Teil umgesetzt werden. Für THCA werden entzündungshemmende und neuroprotektive Effekte diskutiert, die Belege stammen aber bisher nur aus präklinischen Studien.
Welche Arzneimittel mit THC oder CBD gibt es in Österreich?
In Österreich sind drei Fertigarzneimittel mit Cannabinoiden zugelassen: Sativex (THC und CBD) bei Spastik durch Multiple Sklerose, Canemes (Nabilon, ein THC-Abkömmling) bei Übelkeit unter Chemotherapie und Epidyolex (CBD) bei bestimmten seltenen Epilepsieformen. Zusätzlich können Ärzt:innen Dronabinol (THC) als magistrale Zubereitung aus der Apotheke verschreiben. Getrocknete Cannabisblüten sind hierzulande nicht als Arzneimittel verschreibbar. Mehr dazu lesen Sie unter Wege zur Versorgung mit Cannabis.
Kann CBD Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben?
Ja, CBD kann die Wirkung anderer Medikamente verändern. Es hemmt Leberenzyme der Cytochrom-P450-Familie, über die viele Arzneistoffe abgebaut werden. Dadurch können etwa Spiegel von Clobazam, bestimmten Blutverdünnern oder Immunsuppressiva steigen. Bei hohen Dosen wurden außerdem erhöhte Leberwerte beobachtet. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen und CBD verwenden möchten, besprechen Sie das bitte vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke. Das gilt auch für frei verkäufliche CBD-Produkte.
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