Der Fall Marcel: Ein Mann kämpft ums Überleben – und die Politik schaut seit Jahren zu
Ein Arbeitsunfall. 13 Jahre im Rollstuhl. Extreme Schmerzen. Und ein österreichisches System, das einen schwerkranken Menschen kriminalisiert statt zu helfen. Arge Canna fordert seit 2014 das, was Marcel braucht. Die Politik liefert nicht.

Marcel (Name geändert) ist Mitte 30. Er sitzt seit 13 Jahren im Rollstuhl – nach einem Arbeitsunfall in einem Metallbetrieb, der sein Leben für immer verändert hat. Eine Verseilmaschine erfasste seine Jacke, riss ihn zwischen die Stahlseile. Sein Rückgrat wurde durchtrennt, Nieren, Leber und Zwerchfell zerfetzt – bei vollem Bewusstsein. Was folgte, ist ein täglicher Kampf gegen extreme Schmerzen, Krämpfe und den langsamen Verlust jeder Selbstständigkeit.
Marcels Geschichte bewegt gerade ganz Österreich. Und sie macht uns als Arge Canna fassungslos – nicht nur wegen seines Leidens, sondern weil wir wissen: Es hätte anders sein können. Es müsste längst anders sein.
Marcel raucht Cannabis, weil es wirkt. Weil es schnell wirkt. Weil ihm nichts anderes diese gezielte, rasche Linderung verschafft. Dafür wurde er strafrechtlich verfolgt. In Österreich. Im Jahr 2026.
Was Cannabis für Marcel bedeutet und was die Pharmakologie dazu sagt
Gerauchtes Cannabis flutet innerhalb von Minuten an, wirkt gezielt auf Schmerz und Spastik, und lässt sich vom Patienten selbst dosieren. Das ist keine Laienmedizin – das ist eine anerkannte Applikationsform, die in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz für medizinische Zwecke ausdrücklich möglich ist.
Die pharmazeutisch aufbereiteten Alternativen, die Marcel in Österreich verschrieben wurden, funktionieren anders: Sie werden in der Leber zu deutlich stärkeren psychoaktiven Metaboliten umgewandelt – mit verzögerter, oft unkontrollierbarer Wirkung. Was dabei entsteht, ist genau das, was man eigentlich vermeiden will: eine kognitive Distanzierung vom Schmerz, statt gezielte Linderung. Und trotzdem ist das legal. Das Rauchen der Pflanze nicht.
Marcels Abwägung ist simpel und menschlich: Rauchen schadet der Lunge. Aber sein einzige Alternative zu wirksamer Schmerzlinderung ist unerträgliches Leiden. Das ist keine Fehlleitung. Das ist Überlebenswille.
22 von 27 EU-Staaten ermöglichen es – Österreich nicht
In 22 von 27 EU-Mitgliedstaaten können Patienten heute medizinische Cannabisblüten über Arzt und Apotheke beziehen. Österreich steht mit seiner ultrakonservativen Cannabis-Politik am letzten Platz in der Europäischen Union.
Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis jahrelanger politischer Untätigkeit – trotz klarer wissenschaftlicher Evidenz, trotz parlamentarischer Initiativen, trotz tausender Patientenschicksale wie dem von Marcel.
Arge Canna kämpft seit 2014 aber die Politik hört nicht hin
Wir sind seit über einem Jahrzehnt an diesem Thema dran. Nicht als Lobbyisten. Nicht aus ideologischen Gründen. Sondern weil wir täglich mit Menschen sprechen, die wie Marcel leiden – und denen das System nicht die Mittel gibt, die ihnen helfen würden.
Wir haben mit Politikerinnen und Politikern gesprochen. Wir haben Petitionen eingereicht, Gutachten initiiert, Bürgerinitiativen organisiert, Betroffene begleitet und rechtlichen Beistand geleistet. Wir haben auf die Wissenschaft hingewiesen, auf internationale Beispiele, auf das Leid konkreter Menschen.
Und Österreich steht heute noch immer dort, wo es vor zwölf Jahren stand. Am Ende der EU. Während Marcel leidet.
Was jetzt gebraucht wird
Marcels Geschichte darf keine Fußnote bleiben. Sie muss der Wendepunkt sein. Wir fordern von der österreichischen Politik – jetzt, ohne weitere Verzögerung – einen geregelten, leistbaren und rechtssicheren Zugang zu medizinischen Cannabisblüten über Arzt und Apotheke. Für Marcel. Für die tausenden anderen Betroffenen, deren Schicksale wir kennen und die wir tagtäglich begleiten.
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Bezeichnung: ARGE CANNA
Hilfe bei psychischen Krisen
Telefonseelsorge: 142 (tägl. 0–24 Uhr) · Kriseninterventionszentrum: 01 406 95 95 · suizid-praevention.at (24h)
Was die Österreicherinnen und Österreicher sagen
Marcels Geschichte hat die Leserschaft der Kronen Zeitung bewegt. Einer der größten und traditionell konservativsten Tageszeitungen des Landes. Die Kommentare sprechen eine deutliche Sprache.
Das sind keine Stimmen aus einer Cannabis-Bubble. Das sind Leserinnen und Leser der Kronen Zeitung: Österreichs meistgelesener Tageszeitung. Der gesellschaftliche Rückhalt für medizinisches Cannabis ist längst da. Es fehlt einzig der politische Wille.






Gegen Einsatz zu rein medizinischen Zwecken ist nichts einzuwenden.
Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es um die Freigabe von Cannabis keine Diskussion. Nicht umsonst legalisiert ein Staat nach dem anderen diese Pflanze. Einfach nur mehr lächerlich.
Tonnenweise medizinischer Hanf wird legal angebaut und nach Deutschland exportiert – und wir dürfen es für medizinische Fälle nicht nutzen! Traurig und wütend.
Die Politik ist aufgerufen, hier umgehend die rechtliche Möglichkeit zu schaffen, dass diesem Menschen geholfen wird und ein strafloser Zugang zu Cannabis ermöglicht wird. Und zwar umgehend!
Na, Hauptsache, dass der nicht minder schädliche Alkohol als Freizeitdroge legal ist und auch bleibt.
So, wie Österreich im Rahmen der präklinischen Notfallmedizin dem Rest Europas gut 20 Jahre hinterherhinkt, ist es auch in der Palliativmedizin. In Konjunktiven sind wir Meister, im Anpacken nicht.
Wenn ein schwer kranker Mensch nach 13 Jahren Schmerzen keinen anderen Ausweg mehr sieht, dann hat nicht nur sein Körper versagt – dann hat auch die Politik versagt.
Ich bin durchaus dafür, Cannabis für medizinische Zwecke freizugeben. Es sollte aber nur über Apotheken abgegeben werden, damit die Qualität garantiert ist.
Bei Cannabis wird ideologisch gestritten, als gäbe es keine Forschung. Gleichzeitig verursachen legale Substanzen wie Zucker und Alkohol jedes Jahr massive gesundheitliche und volkswirtschaftliche Schäden.