Wirkung von Cannabis auf das Ungeborene

Gehen schwangere Frauen ein Risiko für ihr Ungeborenes ein, wenn Sie während der Schwangerschaft Cannabis zu sich nehmen? Die Wissenschaft hat unterschiedlichste Erkenntnisse in dieser Frage gewonnen. Nur eines ist sicher: Alkohol während der Schwangerschaft ist Tabu, es schädigt das Baby fast immer schwer. Eine Cannabis-Einnahme dagegen, soferne nicht geraucht, dürfte für das Baby verhältnismäßig harmlos verlaufen.

Einer der großen Mythen in der Anti-Hanf-Dämonisierungskampagne des späten Industriezeitalters ist die erfundende Geschichte von der Schädigung des ungeborenen Lebens. Sie ist verdammt hartnäckig. Viele der Cannabis-Mythen sind längst sogar für Journalisten im Fernsehen nur noch zum Lachen, etwa die Mär von der Einstiegsdroge – zu viele Beweise gibt es mittlerweile, dass Cannabis tatsächlich eine Ausstiegs-Droge ist und sich hervorragend für die Entwöhnung von Alkoholikern und Morphinisten eignet (vgl. HIER). Aber wenn es um Babys im Mutterleib geht – ja, da werden die Schreihälse auch heute noch schnell hysterisch.

Fakt ist: Noch vor wenigen Monaten wurde in einer Broschüre der österreichischen Sektion der International Police Association, also der Polizei, gesponsort vom Waffenhersteller Glock, damit geworben, dass Cannabiskonsum dazu führe, dass Frauen „mongoloide“ Kinder bekämen (Originalbroschüre liegt der ARGE CANNA vor). Aus dem damals noch bemühten „Mongolismus“ ist mittlerweile politisch korrekt eine „Trisomie-21“ gemacht worden (auch die neue Originalbroschüre liegt der ARGE CANNA vor), aber immer noch behauptet diese Broschüren, heute allerdings auch um den Sponsor Glock erleichtert, dass Cannabis die genetische Ausnahmesituation namens Trisomie-21 verursache, welche aber tatsächlich – da ist sich die Wissenschaft seit Jahrzehnten vollkommen einig – ausschließlich von nicht durch äußere Faktoren beeinflussbaren Konstellationen im Erbmaterial der Eltern herrührt.

Cannabis macht also das Kind nicht mongoloid, Herr Innenminister Mag. Sobotka. Aber kann es anderweitig Schäden davontragen, wenn die Mutter Hanf konsumiert, etwa zu medizinischen Zwecken? Ärzte sollte man dazu nicht befragen. Die haben gewöhnlich von Cannabis keine Ahnung und behaupten z. B., es könnte kindliche Leukämie verursachen (vgl. HIER), was ohne faktische Grundlage an den Haaren herbeigezogen ist. Manch einer von Ihnen, z. B. Dr. Tibor Harkany an der Med-Uni Wien, ein Professor für molekulare Neurowissenschaft, müht sich gar redlich an Zellhaufen unterm Mikroskop ab, um so etwas wie einen Beweis zu erbringen, dass sich die Gehirnentwicklung des Babys leicht verändert unter dem Einfluss von Cannabis. Dasselbe gilt für Bewegung und Lärm – zu behaupten, es sei schlecht, wäre eine Anmaßung. Aussagekraftlos ist das auf jeden Fall, aber Scharen von Journalisten (vlg. HIER, HIER, HIER und HIER) stürzten sich geradezu auf Harkanys Studie, um diese als Beweis zu bezeichnen, dass Cannabis Hirnschäden im ungeborenen Baby verursacht. Harkanys Studie wurde übrigens an Mause-Embryos durchgeführt.

Aber seien wir nicht zu pauschal. Es gibt auch Ärzte wie Melanie Dreher, die zwar eigentlich medizinische Anthropologin ist, aber einige hochinteressante Studien über Cannabis in der Schwangerschaft durchgeführt hat. Fazit: Keine Spur von Geburtsfehlern oder Entwicklungsstörungen, im Gegenteil. Aber lesen Sie selbst HIER. Und dann wäre da natürlich der deutsche Cannabismedikation-Spezialist Franjo Grotenhermen, der HIER kürzlich einen vielseitigen Artikel zum Thema verfasst hat. Als schwangere Frau sollte man sich möglichst genau informieren, was man zu sich nimmt und was das für das Ungeborene bedeutet. Aber dabei sollte frau sehr genau abschätzen, wem sie Glauben schenkt. Zeitungen, Fernsehen und andere Massenmedien sind in dieser Hinsicht eine vollkommen wertlose Quelle.

Fakt bleibt, dass eine wahrscheinlich immense Dunkelziffer an schwangeren Frauen vor allem im ersten Drittel ihrer Schwangerschaft zu Cannabis greift, um die unangenehmen Nebenerscheinungen – vor allem Übelkeit – zu vertreiben. Wer dies erwägt, sei gewarnt: Verbrennungsprodukte zu inhalieren, sprich Cannabis zu rauchen, ist für niemanden empfehlenswert und schon gar nicht für Schwangere. Es gibt auch gesundheitlich unbedenkliche Formen des Cannabis-Konsums, die wären in so einem Fall sicher zu bevorzugen. Und es gibt sehr wohl langzeitlich beobachtete Phänomene, die sich bei Kindern von Cannabis konsumierenden Müttern häufen. Ob dies wünschenswert ist oder nicht, sollte sich jede Mutter genau überlegen.

Hier einige weiterführende Links zum Thema:

Hände weg von Tabak, nicht von Cannabis

Interviews mit Cannabis konsumierenden Müttern

Jamaika-Studie: Kein Unterschied zwischen Kinder von Müttern ohne und mit Cannabis

Warnungen und Angstmache für Schwangere

Cannabis in der Schwangerschaft: Risiko oder Heilmittel?

Cannabinoid-Rezeptoren am Kopf von Spermien



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