Krankengeschichten

Posttraumatische Belastungstörung u. v. a.

Krankengeschichte

Frau G.

Posttraumatische Belastungstörung u. v. a.

Welche Beschwerden oder Krankheiten behandeln Sie mit Cannabis?

Ich leide seit dem gewaltsamen Sexualmord an meiner 7-jährigen Tochter (2011) an einer posttraumatischen Belastungstörung, die nicht behandelt werden konnte, und mittlerweile auch an einer komplexen Traumafolgestörung. Die PTBS äußert sich in Intrusionen, also sogenannten Flashbacks, in schweren, immer wiederkehrenden Albträumen und chronischer Übererregung. Dazu kommen depressive Phasen, emotionale Instabilität, Somatisierungsstörungen, Angsterkrankungen (soziale Phobie, kein Vertrauen mehr in andere Menschen), Schwächezustände, stark schwankende Gefühle, plötzliche Suizidgedanken, hysterisches Verhalten, Hypermnesien, Essstörungen (Hungerlosigkeit und Fressattacken) und Schmerzen ohne pathologischen Befund. Ich leide auch am sogenannten Broken-Heart-Syndrom. Dazu kommen ein starkes Übergewicht, Arthrose, allergisches Asthma und Reizdarm. Ich bin höchstens zwei Stunden am Tag, aber nicht mehr als drei Tage am Stück arbeitsfähig.

Wie wirkt sich Cannabis auf Ihre Beschwerden aus?

Ich habe keine Flashbacks mehr, kann traumfrei und erholsam schlafen. Ich bin ruhig und kann mich konzentrieren. Suizidgedanken habe ich nur noch sehr selten. Ich kann mich fast schmerzfrei bewegen, kann unter Menschen gehen, ohne panisch die Flucht zu ergreifen. Ich gehe stundenweise arbeiten und bekomme meine Haushalt wieder in den Griff. Ich bin im gesamten wieder achtsamer mit mir. Depressive Phasen sind weniger schwer und ich habe einen Teil meiner Lebensfreude wieder gefunden. Manchmal bin ich sogar sowas wie glücklich.

Welche Nebenwirkungen hat Cannabis für Sie?

Das Cannabis an sich hat für mich keine Nebenwirkungen. Aber durch die ständige Angst, Besuch von der Staatsgewalt zu bekommen, die einem dann die Medizin wegnehmen und Anzeige erstatten könnte, bekommt man Paranoia und Stress. Ich lebe in Deutschland und bekomme keine Ausnahmegenehmigung, da ich mich einer psychologischen Therapie nicht noch einmal aussetzen will und kann. Diese ist in meinem Fall kontraproduktiv und verschlimmert meinen Zustand – ich müsste sie nämlich ohne Cannabis hinter mich bringen. Weiters empfinde ich die Repressionen, die man als Cannabispatient über sich ergehen lassen muss, als schwere Nebenwirkung. Eine Psychologin schickte mich zur Suchtberatung, wo ich mich behandeln lassen musste wie ein Chrystal-Meth-Junkie. Der nächste drohte mir aufgrund meines angeblich schweren Suchtverhaltens und seiner Angst, ich könnte morgen an der Nadel hängen, mit der Einweisung in eine geschlossene Klinik.

Welche Vorteile und welche Nachteile hat die Cannabis-Medikation Ihrer Meinung nach?

Vorteile: Rein pflanzlich, für mich nebenwirkungsfrei und wenn ich es selbst anbauen dürfte, günstig für mich und meine Krankenkasse. Nachteile: Suche ich noch.
Einnahmeform:
THC reiche Blüten und CBD-Öl
Menge:
Am Tag benötige ich je nach Zustand ca. 1 bis 2g Blütenmaterial und 9 Tropfen 10% CBD-Öl.
Dauer der Medikation:
Seit 4 Jahren, wenn ich genügend Cannabis zur Verfügung habe, 3 Wochen lang nach Bedarf und 1 Woche Pause. Aber da es immer wieder zu Lieferausfällen kommt, muss ich mir das wenige, was ich habe, einteilen und habe manchmal wochenlang gar nichts.

Diese persönliche Erfahrungsgeschichte dient ausschließlich Informationszwecken. Die hier beschriebenen Erfahrungen sind individuell und lassen keine allgemeingültigen Rückschlüsse auf andere Personen oder Krankheitsverläufe zu.