Terpene und Flavonoide
Cannabispflanzen verströmen einen sehr charakteristischen Duft. Verantwortlich dafür sind flüchtige Verbindungen, wie Terpene und Flavonoide.
Flüchtig
Terpene und Flavonoide
Terpene und Flavonoide sind aromatische Verbindungen, die neben den bekannten Cannabinoiden eine entscheidende Rolle in der Cannabispflanze spielen. Bis vor wenigen Jahren ging die Wissenschaft davon aus, dass Terpene allein für das komplexe Aromaprofil von Cannabis verantwortlich sind. Mittlerweile weiß man jedoch, dass weitere Stoffgruppen wie Flavonoide, Aldehyde, Ester und andere flüchtige organische Verbindungen maßgeblich zum Entourage-Effekt beitragen.
Aromatisch
Terpene
Mehr als 600 Inhaltsstoffe der Cannabispflanze sind bekannt. Davon über 200 Terpene, die nicht nur für den charakteristischen Geruch und Geschmack verantwortlich sind, sondern auch therapeutische Eigenschaften aufweisen. Früher ging man in erster Linie davon aus, dass Terpene vor allem als Duft- sowie Aromastoffe in der Hanfpflanze dienen, heute wird dies bereits differenzierter betrachtet.
Moderne Forschungen zeigen, dass Terpene weit über ihre aromatischen Eigenschaften hinaus wirken: Sie interagieren mit unserem Endocannabinoid-System und können die Wirkung von THC und CBD modulieren. Myrcen verstärkt beispielsweise sedierende Effekte, während Limonen stimmungsaufhellende Wirkungen zeigt und Pinen die Gedächtnisleistung verbessern kann.
Therapeutisch
Flavonoide
Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in Cannabis in Form von etwa 20 verschiedenen Verbindungen auftreten. Die cannabis-spezifischen Cannaflavine A, B und C wurden erstmals 1986 entdeckt und zeigen bemerkenswerte therapeutische Eigenschaften.
Die entzündungshemmende Wirkung der Cannaflavine ist besonders beeindruckend: Cannflavin A und B wirken 30-mal stärker entzündungshemmend als Aspirin! Obwohl sie nur weniger als 0,02 Prozent des Pflanzengewichts ausmachen, tragen sie erheblich zu den therapeutischen Effekten bei.
Neu entdeckt
Aromastoffe (Flavorants)
Aromastoffe sind eine Klasse von nicht-terpenoiden Chemikalien, zu der Ester, Alkohole, Ketone und weitere Verbindungen gehören. Bei der Analyse von 31 Cannabis-Extrakten stellte man fest, dass diese Aromastoffe auch bei Sorten mit unterschiedlichen dominanten Terpenen ähnliche Aromen erzeugen können.
Eine besonders interessante Entdeckung sind die tropischen flüchtigen Schwefelverbindungen (VSCs), die einen wichtigen Beitrag bei bestimmten Sorten mit starkem Zitrus- oder Tropenfruchtaroma leisten. Diese VSCs wurden als „Tropicannasulfur“ bezeichnet.
Aktuell
Wissenschaftliche Revolution
- Cannabis-Sorten mit sehr unterschiedlichen Aromen haben oft ähnliche Terpenprofile
- Aromastoffe in kleinsten Mengen (<1 μg/mg) können enormen Geruchseinfluss haben
- Schwefelverbindungen erzeugen sowohl "skunk-artige" als auch fruchtige Zitrusnoten
Herzhafte VSCs
Knoblauchartige, schwefelartige Noten
Klassische VSCs
Typische „Skunk“-Aromen
Fruchtige VSCs
Zitrus- und Tropenfruchtaromen
Praxis
Was bedeutet das?
Diese Entdeckungen führten zum „Chemohunting“ – einer wissenschaftsbasierten Züchtungsmethode, die Cannabis-Sorten anhand ihrer vollständigen chemischen Profile bewertet statt nur nach Terpenen.
Iain W. H. Oswald, Twinkle R. Paryani, Manuel E. Sosa, Marcos A. Ojeda, Mark R. Altenbernd, Jonathan J. Grandy, Nathan S. Shafer, Kim Ngo, Jack R. Peat III, Bradley G. Melshenker, Ian Skelly, Kevin A. Koby, Michael F. Z. Page, and Thomas J. Martin. Minor, Nonterpenoid Volatile Compounds Drive the Aroma Differences of Exotic Cannabis. ACS Omega (2023).
Iain W. H. Oswald, Marcos A. Ojeda, Ryan J. Pobanz, Kevin A. Koby, Anthony J. Buchanan, Josh Del Rosso, Mario A. Guzman, and Thomas J. Martin. Identification of a New Family of Prenylated Volatile Sulfur Compounds in Cannabis Revealed by Comprehensive Two-Dimensional Gas Chromatography. ACS Omega (2021).