FPÖ-Obmann Hofer diskreditiert Cannabis-PatientInnen als Drogensüchtige

Nach Ibiza und den bekannten Folgen inkl. Neuwahlen konnte die FPÖ ihren restriktiven Kurs in Sachen Cannabis nicht mehr fortsetzen, der ja im Regierungsübereinkommen der Vorgängerregierung als Verbot von Hanfsamen und -stecklingen sogar festgeschrieben war. Der ehemalige Innenminister Kickl hatte dazu verlautbaren lassen, dass das Lenken eines Fahrzeugs unter Substanz-Einfluss mit herausragender Härte bestraft werden sollte. Da es in Österreich aber keine Grenzwerte und bisher auch keinen aussagekräftigen Schnell-Test für das Cannabinoid THC gibt, wurden bei Verkehrs-Kontrollen regelmäßig auch Menschen völlig unschuldig mit dem Verdacht konfrontiert, illegales Cannabis konsumiert zu haben. Dies hat Situationen und Probleme heraufbeschworen, die in einem modernen Rechtsstaat nicht existieren sollten. Chaos, Willkür und nicht zuletzt eine Beschädigung der Schwächsten – so kennt man die FPÖ.

 

Nach dem Regierungswechsel werden nun die Ressorts für Gesundheit und Justiz von den Grünen MinisterInnen Alma Zadic und Rudolf Anschober geführt. Die österreichischen Grünen sind als eher cannabisfreundlich bekannt. Beispielsweise setzte sich die Grüne Gesundheitssprecherin Eva Mückstein 2017 für ein Modell zur Abgabe von medizinischen Cannabisblüten wie in Deutschland ein. Im Grundsatzprogramm von 2001, welches nach wie vor in Kraft ist, fordern Österreichs Grüne die generelle Legalisierung von Cannabis.

Vor einigen Tagen gab es die erste Aussage von Gesundheitsminister Rudolf Anschober zu medizinischem Cannabis. Er plädiert für eine vernünftige Diskussion bei medizinischen Anwendungen und er kann sich dabei auch vorstellen, Cannabisblüten rezeptpflichtig in der Medizin freizugeben:

 „Wenn es um wirkliche medizinische Vorteile geht, möchte ich den bestmöglichen Nutzen ermöglichen.“

Justizministerin Alma Zadic erklärte in einem Heute-Interview, dass die Legalisierung von Cannabis „leider nicht“ im Regierungsprogramm stünde. Diese beiden Aussagen veranlassten nun Norbert Hofer, mit seiner FPÖ Cannabismedizin und CannabispatientInnen auf plumpste Weise zu diskreditieren.

„Drogen auf Rezept kommt für uns nicht in Frage. Die Gefahr eines Missbrauchs ist zu groß. Marihuana gilt gemeinhin als Einstiegsdroge und ist eine große Gefahr für unsere Jugend. In dieser Frage besteht zwischen allen Parteien ein Konsens – bis eben auf die Grünen. Ich fordere den ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz auf, hier endlich für klare Verhältnisse zu sorgen und den grünen Schnapsideen eine Absage zu erteilen.“

Hofer verkennt dabei, dass sich auch innerhalb der ÖVP vernünftige Stimmen wie deren ehemaligen Gesundheitssprecher Dr. Erwin Rasinger klar dafür ausgesprochen haben, Cannabis-Blüten medizinisch zu nutzen. Hofer versäumt mit seiner Attacke, die wissenschaftlichen Fakten anzuerkennen, vor allem die vielen jüngeren Studien und Erfahrungsberichte aus Ländern, wo medizinisches Cannabis bereits erhältlich ist. Er nutzt dabei die seit Jahrzehnten restlos widerlegte Mär von der Einstiegsdroge, um auf die üblich derbe populistische Weise Stimmung zu machen. Selbstverständlich ist er sich dabei auch nicht zu schade, das übelst rassistisch geprägte Slangwort Marihuana für medizinisches Cannabis zu verwenden.

Zugleich verhöhnt er mit seiner sinnbefreiten Presseaussendung die abertausenden PatientInnen, die sich bereits mit Cannabis therapieren.

Wir sind ein Verein für alle Patientinnen und Patienten, und Norbert Hofer ist selbst Schmerzpatient. Daher möchten wir nicht nur unseren Unmut über seine substanzlosen Aussagen bekunden, sondern ihm auch mit Rat und Tat zur Seite stehen:

Lieber Herr Norbert Hofer!

Drogen auf Rezept sind auf der ganzen Welt verbreitet und spielen eine elementare Rolle in der Medizin, bei der Rettung von Menschenleben und der Verbesserung der Lebenssituation von Kranken. Denken Sie doch nur an die vielen Opium-Derivate, ohne die kein Krankenhaus auskommen könnte; an die zahlreichen Kokain-Derivate, ohne die aus den Zahnarztpraxen der Welt ausschließlich gellende Schreie des Entsetzens zu hören wären; an die Wunden, die ohne Alkohol sich entzünden, verfaulen und zum Tod führen würden. Cannabis gehört da auch dazu, seit Tausenden von Jahren und seit einigen Jahrzehnten auch wieder in der modernen Medizin.

Nach dem Ende der Alkoholprohibition in den USA in den Anfängen des letzten Jahrhunderts galt es, aus dem Cannabis eine gefährliche „Killerdroge“ zu machen, damit es auch nach dem Ende des Alkoholverbots etwas zu überwachen und zu bekämpfen gab. Die Begriffe Hanf bzw. Cannabis wurden zu diesem Zweck gegen das rassistische „Marijuana“ getauscht. „Hanf“ bzw. „Cannabis“ – das wäre alltäglich und harmlos. „Marijuana“ hingegen klingt fremd, verrucht und gefährlich genug, um die Menschen aufzuschrecken. Die ganze Idee entsprang einem rassistischen Pfuhl aus gierigen Industriemagnaten und kriegstreiberischen Finanzgranden, sie hatten Namen wie William Randolph Hearst, Harry J. Anslinger oder Andrew Mellon, und sie hassten Mexikaner und Latinos, Schwule und Frauen, Juden und „Neger“, was in ihren Zeitungen mit Auflagen von damals dutzenden Millionen Stück auch offen gesagt wurde. Das haben Sie, Herr Hofer, wahrscheinlich nicht gewusst, aber Unwissenheit schützt ja bekanntlich nicht vor Strafe: Wollen Sie sich wirklich in die Nähe solcher Leute stellen? Wir raten dringend davon ab.

Die Behauptung, dass Marihuana eine Einstiegsdroge ist, wurde bereits in zahlreichen Fachpublikationen als falsch und widersinnig entlarvt, sie ist ein Propagandamythos. Rufen Sie uns an, wir nennen Ihnen gerne einige der entsprechenden Fachpublikationen, mit denen Sie Ihre beschränkte Sachkenntnis auf Vordermann bringen können.

Vielleicht sollten Sie gegen Ihre Schmerzen auch einmal Cannabis versuchen, Sie könnten Ihr grünes Wunder erleben!



6 Antworten zu “FPÖ-Obmann Hofer diskreditiert Cannabis-PatientInnen als Drogensüchtige”

  1. Falkner Herbert sagt:

    Hoffentlich lesen Sie das auch und besorgen Sie sich die empfohlenen Lektüren, Herr Hofer! Einen gröberen Blödsinn als Sie da von sich geben habe ich selten gehört! Manchmal denke ich manche Menschen wollen keine eigene Meinung…..!!Einfach nachlabern!✅‼‼‼

  2. Falkner Herbert sagt:

    Eigentlich eine Frechheit eine Pflanze zu verbieten mit der man soviel gutes machen könnte! Papier aus Hanf statt Holz,usw,usw ‼

  3. Sailer Erich sagt:

    Lieber Norbert, als aaaalter FPÖler bitte ich dich, dass solche Kommentare total sinnlos sind. Es gibt in der Bevölkerung schon seit einiger Zeit ein umdenken zu dieser Heilpflanze (des Jahres 2018 in Österreich). Ich selber hab mit einigen Teilen der Pflanze meine Krankheiten sehr gut im Griff und kann größtenteils ohne die vergifteten Pharmamittel sehr gut leben und bin glücklich, dass es mir mit Hanf, Canbabis oder Marihuana?, das du und Kikl so verteufelt, wieder sehr gut geht und ich wieder ein anderes Lebensgefühl und normale Blurwerte habe. Weiters wäre bei einer geregelten Freigabe die Steuereinnahmen für den Staat um einige Hundertmillionen höher, diese Geld könnte man wieder in die Gesundheits- und Altersvorsorge, für Sicherheit usw. verwenden. Die Polizei hätte dadurch weniger sinnlose Arbeit mit Anzeigen zu tun und hätte mehr Zeit für die Sicherheit im Staat.
    Ich bitte dich nochmals um ein Umdenken in der gesamemten Parteispitze (der kleine “Mann” denkt anders), damit wir als FPÖ nicht noch weiter abstürzen.
    Liebe Grüsse vom Fußvolk aus Tirol.

  4. Franz Mayr sagt:

    Folendes Mail habe ich an das FPÖ Bürgerservice und allen öster. Parteien gesendet. In dem Mail geht es um die Problematik : Autofahren und Dronabinol.

    Anrede Herr
    Vorname Franz
    Nachname Mayr
    Mobil
    Festnetz
    E-Mail
    Betreff Dronabinol Medikament am Steuer
    Mein Anliegen Sehr geehrtes FPÖ Team !

    Bitte machen Sie sich und Ihre Partei für die Lösung dieses Problems stark. Meine Frau ist 60 Jahre und leider Schmerzpatientin, bekommt seit 6 jahren das Medikament Dronabinol ( Cannabis ) von ihrem Hausarzt verschrieben und die Krankenkasse bezahlt seit 4 Jahren das Medikament. Obwohl sie sich nie berauscht fühlt, dürfte sie nicht mit dem Auto fahren. Das ist doch irre und nicht normal !

    Ich sende Ihnen aus der Mediathek des ORF die Sendung Newton zum Thema Drogen am Steuer. Die Sendung ist sehr objektiv gemacht und es müssten sich eigentlich alle Parteien übergreifend zu dem Thema Gedanken machen, das Video anschauen und möglichst bald die Gesetze ändern.

    https://tvthek.orf.at/profile/Newton/1306/Newton-Drogen-am-Steuer/14040041

    Außerdem wäre es auch noch gut, wenn sich die FPÖ dafür einsetzen würde, dass die Verschreibung des Medikaments Dronabinol keine Kostenfrage mehr ist. Wir mussten 2 Jahre das Medikament selber bezahlen und das kostete uns im Monat ca. 200 – 300 Euro.

    Mit freundlichen Grüßen
    Franz Mayr

    folgende Antwort habe ich erhalten :

    FPÖ Bürgerservice
    Di, 04.02.2020 15:06
    Sehr geehrter Herr Mayr !
    Die FPÖ ist an der Lösung dieses Problems, das sehr viele Patientinnen und Patienten betrifft, höchst interessiert. Wir werden in der nächsten Sitzung des Gesundheitsausschusses diese Angelegenheit auch mit dem zuständigen Gesundheitsminister Rudi Anschober besprechen, um dann weitere parlamentarische Initiativen zu setzen.
    Mit freundlichen Grüssen

    ———————————————————-
    Ihr FPÖ Bürgerservice Team

    Da scheint die FPÖ sich für die Patienten einzusetzen, oder wollen sie doch nur Wählerstimmen ?
    Auf mein Mail haben sich leider nur SPÖ und FPÖ gemeldet.

    Liebe Grüße

    Franz Mayr

  5. Alois Samuel Moschini sagt:

    KEIN KOMMENTAR, IST MIR ECHT ZU BLÖDE.

    DOCH VOM HERRN HOFER HABE ICH EIGENTLICH NICHTS ANDERE ERWARTET!!

    FAZIT: HER HOFER, ABZIEHBILDER GIBT ES SCHON GENUG.

  6. Ich kann mir es einfach nicht verwehren, jedoch zeigt die Haltung zum Thema Hanf im Bereich stoffliche Nutzung und medizinischen Nutzung wie klein die Welt unserer Politiker ist.
    Mit welchen Beratern sich diese politisch Verantwortlichen umgeben, muss unglaublich sein, denn wenn man nur ein wenig an Verantwortungsbewusstsein in sich trägt, sind solche Feststellungen und Haltungen zu einem wirklichen Zukunftsthema einfach nicht möglich.
    Diese Pflanze ist eine der wertvollsten Naturpflanzen der Welt und trägt das größte Potential aus ganzheitlicher Nutzungsmöglichkeit in sich und verantwortliche gehen damit mit einer Oberflächlichkeit darüber weg die Beispiellos ist. Es zählt nur die nächste Wahl und die primitivsten Emotionen sind gut genug um sich daran festzuhalten. Es ist ganz einfach ein Volk in den Abgrund zu führen, man braucht nur unsere Instinkte der Gier, Angst, Neid und Bequemlichkeit zu bedienen, dann gewinnt man Wahlen. Das dies alles überhaupt nichts mit wirklicher ganzheitlicher Lösungskompetenz zu tun hat, ist auch klar und spiegelt einfach die Realität in diesem speziellen Fall wieder. die Grünen sind dafür, dann müssen wir dagegen sein und Argumente sammeln die dazu passen. so klein ist unsere Welt der sogenannten Verantwortlichen. Für mich und ich hoffe immer mehr für mehr und mehr werde ich nie mehr eine Stimme abgeben, sondern die Stimme der Verantwortung selber tragen und als Basisdemokrat wahrnehmen. Bei der Abgabe stützen wir weiter solche systemkranke Machenschaften und daher sollte sich in Zukunft so ein System selber wählen und wir müssen die Lösungen vor Ort selber praktizieren und unseren Hausverstand dazu nutzen.

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